Im roten Feuerwehrbus: Zweite "Tour" des Verwaltungsrates durch Angebote der Pestalozzi-Stiftung Hamburg.

Stolz präsentierte Robert Friedrich, stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender und Vorsitzender des Freundes- und Fördervereins der Pestalozzi-Stiftung Hamburg den ehemaligen Feuerwehr-Bus, Baujahr 1984. Mit neuer Batterie und einer frischen TÜV-Plakette konnte es so auch an einem Freitag, den 13. ohne Probleme auf die zweite Tour unseres Verwaltungsrates durch einige unsere Einrichtungen gehen [hier der Bericht über die erste Tour im Herbst 2017].

Erster Anlaufpunkt war der Jugendhilfewohnstützpunkt "Port". Frank Rehberg, Nora Fiedler und Jaclyn Jakobeit stellten sich und die Einrichtung vor. Für eine nicht ganz so intensive Betreuung von selbständigeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben wir drei sogenannte Wohnstützpunkte eingerichtet. Die Bewohner/innen leben dort in eigenen Appartements; sie werden bei ihrem Schritt in die Selbständigkeit und ihrem oft schwierigen Start ins Berufsleben von erfahrenen Sozialpädagogen und Sozialpädagoginnen unterstützt.

Port bietet 15 Menschen Platz. Die Mitarbeiter/innen haben es mit sehr unterschiedlichen Biografien zu tun, u.a. betreuen sie auch minderjährige unbegleitete Flüchtlinge. In ihrer Arbeit werden sie mit Themen wie Transsexualität, Zwangsheirat, häusliche Gewalt, Menschenhandel und Prostitution konfrontiert. Sie unterstützen die Jugendlichen in Einzelbetreuungen, arbeiten mit den Schulen und der Jugendberufsagentur zusammen, beraten zu den Themen Finanzen und Lebensunterhalt.

Gruppenangebote wie Klettern werden manchmal zusammen mit anderen Stützpunkten angeboten. Herausfordernd finden sie, dass seitens der Kostenträger oft ein starker Druck herrscht, die Maßnahmen rasch zu beenden. Aus ihrer Erfahrung sind viele Jungerwachsene selbst mit 21 Jahren (spätestes Ende der Maßnahme) noch nicht so reif, dass sie ohne größere Probleme selbständig leben können. Eine weiteres große Herausforderung ist die Beschaffung eines eigenen Wohnraums; von der wirtschaftlichen Jugendhilfe kann sich niemand eine Wohnung leisten. Insgesamt sind die Mitarbeiter aber sehr zufrieden mit ihrer Arbeit. Zwei ihrer Betreuungen sind in unserem Jugendhilfebuch "Perlentaucher" dokumentiert; das Ehemaligentreffen 2017 war sehr gut besucht. Demnächst wird der "Port" durch einen "Dock" ergänzt werden: nach und nach werden wir dann dort vor Ort 30 Plätze anbieten können.

Weiter ging es zum "Piraten-Nest", unserer Kita im Stadion des FC St. Pauli. Dort warteten bereits die Einrichtungsleitungen Nina Greve und Juliane Petersen-Schermuly auf uns. Über das ‘Piraten-Nest’ wurde im Fernsehen, Radio und in regionalen und überregionalen Printmedien berichtet, sie ist aber eine ganz normale Kita und keine Einrichtung des Vereins! Natürlich arbeiten wir sehr gut mit diesem zusammen, den Rasen dürfen die Kinder allerdings auf keinen Fall betreten… Dafür lockt dann die Eltern die faszinierende Aussicht vom Balkon während der Spieltagsbetreuung.

Die 18 sehr engagierten Pädagogen (davon 5 männliche) betreuen und fördern 130 Kinder. Die Kita ist durch eine Mund-zu-Mund-Propaganda sehr gut ausgelastet. Sie kooperiert u.a. mit dem Bäderland, wird durch einen Vollblut-Musiker in der musikalischen Frühförderung unterstützt und hat auch in einem tollen Projekt ein Kinderbuch geschaffen, das auch in unserem Jahreskalender 2018 vorgestellt wird. Das "Piraten-Nest" ist bei Schülerpraktikanten sehr beliebt, viele von ihnen kommen in den späteren Ausbildungen/Ausbildungsabschnitten gern zurück. Abschließend berichteten die beiden über die notwendige Renovierung des Dachgartens, bei der wir uns über jede Hilfe freuen!

Abschließend besuchten wir die ASP-Begegnungsstätte Bahrenfeld. Die Ambulante Sozialpsychiatrie ist ein Hilfeangebot, das sich an erwachsene psychisch belastete/kranke Menschen richtet. Julia Lemm, Simone Iwanski und Elmar Nintemann berichteten dem Verwaltungsrat, dem dieses Arbeitsfeld bisher nur grob vertraut war.

Unsere Begegnungsstätte in Bahrenfeld ist ein Kooperationsangebot mit dem Träger Leben mit Behinderung Hamburg, in einer guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit. Die Klienten sind zwischen 21 und 72 Jahre alt, mit relativ vielen relativ jungen Besucher/innen. Viele von ihnen leiden unter Persönlichkeitsstörungen. Häufig haben die Klienten nicht nur psychische, sondern auch körperliche Probleme, einige haben Schwierigkeiten mit dem eigenen Wohnraum. Sie kommen in der Regel über gesetzliche Betreuer, Tageskliniken und Ärzte zu uns. Wir betreuen sie in der Begegnungsstätte und in ihren Wohnungen; die engen Vorgaben für die Arbeit wurden glücklicherweise erst kürzlich gelockert.

Die Erfahrung der Kollegen ist, dass viele Klienten nicht in die Begegnungsstätte kommen mögen, teilweise aufgrund ihrer Schwierigkeiten, teilweise weil ihre Wegezeiten viel zu lang sind. Vor Ort bieten wir einige Gruppenangebote an (Kreativgruppe, Zeitung, Gruppengespräche). Die Kollegen berichten, dass es auch in diesem Arbeitsfeld ungeheuer schwierig ist, geeigneten Wohnraum zu finden. Ebenso problematisch ist die Integration in den Arbeitsmarkt; es gibt kaum passende Angebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen zwischen dem 1. und dem 3. Arbeitsmarkt im Sinne von anspruchsvollen Arbeitsplätzen, an denen der Druck nicht so hoch ist.

Ein Tag voller Eindrücke ging so ungeheuer schnell vorbei. Die Mitglieder des Verwaltungsrats bedanken sich an dieser Stelle noch einmal für die ausführlichen und interessanten Darstellungen – die dritte Tour wird kommen!